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1.12.2008 : 18:26 : +0100

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Segeln - Weltreise


Weltumsegelung
mit der Sagitta



Weltumsegelung mit der Sagitta, Segeln News, Tagesbericht 23

Datum: Wed, 27 Feb 2008 19:11:15 -0000 (GMT) - Unser Standort: 06° 45' N 080° 31' W

Nun sind wir wieder unterwegs. Nachdem wir uns auf den "Las Perlas" (sie verdienen ihren Namen zu Recht) einige Tage von dem Stress der Kanalpassage erholt haben, versuchen wir, ein Wetterfenster zu nutzen, um zumindest so weit wie möglich an die Galapagos-Inseln heranzukommen, die knapp 1000 sm entfernt sind.

Aber zunächst zu dem, was wir inzwischen erlebt haben:


Nachdem wir doch noch unsere Fahrtgenehmigung für Balboa und die Las Perlas, natürlich mit entsprechenden Wartezeiten, bekommen hatten, fuhren wir mit dem Taxi nach Panama-City. Es ist eine riesige Großstadt mit beeindruckender Skyline, aber zwischen den Wolkenkratzern, alles Bürogebäude, viele noch im Bau, herrscht eigentlich nur dichter Verkehr. Fußgänger sieht man kaum, alles spielt sich in drei gossen Einkaufs-Malls ab, wo sich Geschäft an Geschäft reiht, alles überdacht und klimatisiert, aber so etwas gibt es bei uns ja inzwischen auch.

Etwas außerhalb dieses neuen Panama-City gibt es auch eine Altstadt, bezeichnen-derweise ist diese abgeriegelt, man muss an Militärposten vorbei und seinen Pass vorzeigen. Das wundert aber nicht, beherbergt die Altstadt doch auch den Präsiden-tenpalast und etliche Ministerien, und vor dem Volk hat man wohl Angst.
Das Ausklarieren klappte erstaunlicherweise problemlos, nach zwei Stunden waren wir schon fertig und verproviantierten uns anschließend noch mit frischem Waren, denn nun warten lange Segelwochen auf uns.
Vorher besuchten wir wie gesagt noch die Las Perlas. Es gibt Inseln, die ganz wenig besiedelt sind, mit einsamen Buchten mit weißen Stränden und Regenwaldvegetation, aber auch dichter besiedelte, auf denen die ganze Insel einer Parklandschaft gleicht. Hier haben die reichen Panamesen ihren Zweitwohnsitz.

Wir wollten den Amateurfunker Günter auf einer solchen Insel namens Contadora besuchen. Da wir am Wochenende ankamen, war die Ankerbucht voll mit protzigen Motoryachten, alle mit bezahlter Besatzung, die die Jetskis und PS-strotzenden Beiboote für ihre Herrschaft vorbereitete und zu Wasser ließ. Am Sonntagabend verschwanden alle wieder und die Segler hatten die Bucht für sich allein. Wir waren insgesamt nur 8 Segelboote, 5 davon deutschsprachig, bis auf einen Alleinsegler alles Ehepaare. Alle wollten "Contadora-Günter" persönlich kennen lernen. Außer uns hatten alle Amateurfunkgeräte an Bord und schon oft mit ihm über Funk gesprochen. Günter hat ein Herz für Segler. Jeden Abend leitet er eine Funkrunde auf einer bestimmten Kurzwellenfrequenz, in die sich jeder Amateurfunker, auch von weiter weg, einloggen kann. Dann wird über Pläne gesprochen, das Wetter abgefragt, eine Insel oder ein bestimmter Ankerplatz beschrieben, oder auch manchmal nur über Belanglosigkeiten geredet. Wir können mit unserem Kurzwellenempfänger leider nur zuhören, senden und mitreden können wir nicht. Trotzdem wurden wir von dieser Seglergemeinde mit offenen Armen aufgenommen, und gleich am zweiten Abend gab es ein Treffen aller Segler in "Geralds Kneipe", ebenfalls auf Contadora hängengebliebener Deutscher. Leider konnten wir nicht mitessen, sondern stießen erst später zum anschließenden Trinkgelage dazu, denn wir hatten auf der Hinfahrt mal wieder einen Fisch gefangen, diesmal einen Bonito, eine Tunfischart, wie uns ein Fischkenner unter den Seglern versicherte, und den mussten wir natürlich zuerst essen, bevor er verdarb.

Aber zurück zu Günter: Er betreibt nicht nur seine Funkrunde, er hat auch eine offene Tür für alle Segler, auch für die Nichtfunker, immer zwischen 10 und 16 Uhr, und wir konnten seinen Internetanschluss nutzen, bekamen Kaffee oder Mineralwasser und führten interessante Gespräche. Alle wollten uns überreden, doch länger zu bleiben, aber die anderen Segler haben ein anderes Zeitgefühl. Sie leben auf der Yacht, es ist ihr zu Hause, und alle sind schon jahrelang unterwegs. Ob sie ein, zwei oder drei Jahre in der Südsee bleiben, steht für sie noch nicht fest. Es ist also egal, wann man in den Südpazifik aufbricht, eingeschränkt nur durch die Zeit der Tropischen Wirbelstürme, oder ob man noch ein ganzes Jahr auf den Las Perlas bleibt oder noch Ecuador besucht oder, oder, oder.

Wir, die wir nur ein Jahr haben, müssen aber die Zeit so gut nutzen wie es geht. Und als wir im Wetterbericht sahen, dass wir für 4 Tage Rückenwind haben sollten, wenn auch nicht allzu viel, fiel die Entscheidung zum Aufbruch. Denn mit etwas Glück könnten wir dann schon die Hälfte der Strecke nach Galapagos geschafft haben. Denn jetzt kommen die beiden seglerisch wohl anspruchsvollsten Etappen. Wir müssen über den Äquator und damit durch die Inter-Tropical-Konvergenz-Zone, von den Seefahrern früher auch Kalmen-Zone genannt. Das ist ein Gebiet mit häufigen Flauten, Schwachwinden aus allen Richtungen und vielen Gewittern. Durch den kalten Humboldt-Strom kommt es oftmals zusätzlich zu Nebelbildung. Und erst deutlich südlich von Galapagos werden wir dann hoffentlich wieder auf den Passat stoßen. Aber zunächst müssen wir erstmal sehen, dass wir aus den herrschenden Wetterbedingungen das Beste herausholen.

Unsere Strecke bis jetzt kann sich sehen lassen. Seit gestern 17 Uhr LT bis jetzt (13 Uhr LT) haben wir schon 147 Meilen zurückgelegt. Zwar hat der Wind im Gegensatz zur Nacht (5 Bft.) schon deutlich abgeflaut, aber er kommt immer noch mit 3 Bft. von hinten, und ein kräftiger Strom schiebt derzeit mit.

Unser Standort: 06° 45' N 080° 31' W

Jetzt sind wir gespannt auf den neuen Wetterbericht, den wir gleichzeitig mit Absen-dung dieses Berichts holen. Und wie immer, wenn wir auf See sind, gibt es von nun an täglich kurze Standortmeldungen.

Bis morgen also!

Ingo und Jochen