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17.8.2017 : 5:42 : +0200


Reisebericht aus Indonesien, Wakatobi

Ein Reisebericht von Timo Weber
WAKATOBI- Tauchurlaub am "besten Hausriff der Wel"

Wakatobi Dive Resort

 

Einen Referenzbericht zu den Informationen von Timo Weber finden sie auf den Webseiten von Armin Trutnau, dem Deutschen Meister in Unterwasserfotografie >>

Wakatobi Dive Resort, für den begeisterten und anspruchsvollen Taucher bietet sich unlimitiertes Tauchen auf höchstem Niveau, mit exzellentem Service und komfortablen Unterkünften.

Und das alles am angeblich "weltbesten Hausriff", nur 20 Meter entfernt vom Resort.

 

So steht es auf der Homepage des Resorts und mit diesem Anspruch traten auch wir am 18. Juni 2006 die lange Reise von Essen über Frankfurt, über Singapore nach Bali und von dort schließlich nach Wakatobi an.

Wie man bei insgesamt 30kg Freigepäck 20kg Tauchausrüstung, 12kg Fotoausrüstung und alle sonst notwendigen Habseligkeiten für den Traumurlaub ins Flugzeug bekommt, ohne die angegebenen 45,00 EUR pro Kilogramm Übergepäck und Strecke zahlen zu müssen, wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel - es gibt drei entscheidende Faktoren: Die Tagesform des Bodenpersonals, die Kunst des "Handgepäck-Packens" und die eigene Überzeugungskraft.

Die Flüge von Frankfurt nach Singapore und den anschließenden Weiterflug nach Bali traten wir mit Singapore Airlines an. Eine Entscheidung, die wir jedem, der diese Reise auf sich nimmt, nur empfehlen können. Der Service an Board ist hervorragend, ebenso wie die Verpflegung und der regelmäßige Getränke-Service. Das absolute Highlight ist aber das an Bord befindliche Unterhaltungsprogramm, dass die langen Strecken sprichwörtlich wie im Fluge vergehen lässt. Dem Fluggast stehen (auch in der Economy) etwa 60 Videofilme (allerdings nicht alle auf Deutsch), etwa 180 Musik-CDs von Rock bis Klassik und mehrere Dutzend Computerspiele zur Verfügung. Dies alles kann nach belieben "on demand" genutzt werden. Gegen Zuzahlung gibt es für Laptop-Besitzer mit WLAN sogar Zugang zum Internet.
Nachdem wir Frankfurt um 12:35h verlassen hatten, landeten wir um 6:35h Ortszeit in Singapore, wo wir einen dreistündigen Aufenthalt bis zum Weiterflug nach Bali im Flughafeneigenen Orchideengarten (inklusive Teich und Käukarpfen) verbracht haben. Pünktlich um 9:35h ging es weiter nach Bali. Nach 2,5 Stunden landeten wir auf dem Flughafen von Denpasar, wo wir gleich freundlich in Empfang genommen wurden. Mit einer Orchidee hinter dem Ohr und einem druckfrischen Visum im Pass ging es per Kleinbus zu unserer ersten Zwischenstation, dem Hotel Legian Beach am Strand von Kuta.

Nachdem wir unsere hübschen Bungalows bezogen hatten, ging es für die meisten von uns erstmal in den Swimmingpool. Dort konnten wir der freundlichen Einladung des Tauchlehrers zum kostenlosen Schnuppertauchen nicht widerstehen. Anschließend haben wir ihn aber doch noch darüber aufgeklärt, dass wir alle schon 200 bis 1200 Tauchgänge hinter uns haben. Nach einem Abendessen in einem typisch indonesischen Restaurant ging es dann ins Bett, denn am nächsten Morgen sollte es um 6:00h bereits zum Flughafen gehen und damit zur letzten Etappe auf dem Weg nach Wakatobi. Mit Frühstückspaket vom Hotel wurden wir am Flughafen von Crispin in Empfang genommen und in die VIP-Lounge begleitet, wo wir zum ersten Mal auf die anderen Gäste trafen, die das Resort für die nächsten zehn Tage mit uns teilen würden. Aufgrund der guten Verpflegung in der VIP-Lounge stellte sich das mitgebrachte Frühstück schnell als überflüssig heraus.

Schliesslich ging es mit dem eigens vom Resort gecharterten Flieger (übrigens noch einmal mit Frühstück) für 2,5 Stunden etwa 1.000 Kilometer gen Osten auf die Insel Tomea. Nach der Landung auf der ausschließlich für diesen Zweck in zweijähriger Arbeit erbauten Asphaltpiste stiegen wir in (wirklich kleine) Kleinbusse um und wurden zum Anlegeplatz des Bootes gefahren, welches uns nach Tolandono, der Resort-Insel, übersetzen sollte. Nach vielen (ungezählten) steilen Treppenstufen, einer kurzen Bootsfahrt im Dingi zu einem größeren Boot und einer etwa 20-minütigen Überfahrt war es endlich soweit: Wakatobi in Sicht! Ein schneeweißer Sandstreifen mit Palmen, kleine hölzerne Bungalows, in der Mitte das so genannte Long-House und das alles hinter türkis-blauem Wasser. Alle waren sich einig, der Anblick dieser Insel ist schon fast ein bisschen kitschig, ein kleines Paradies. Die lange Reise bis hierher hatte sich offenbar gelohnt.

Unmittelbar nach der Ankunft gab es gegen 12:00h eine Einführung (auf englisch) in die Gegebenheiten des Resorts und Hinweise zum Tauchen. Zu unserer Überraschung erfuhren wir gleich bei dieser Gelegenheit, dass es sich bei Wakatobi (was laut Homepage kein Großfischrevier ist) auch nicht um ein ausgesprochenes Makrorevier á la Lembeh Street handelt. Vielmehr gäbe es wunderschön bewachsene Riffe und, zur Begeisterung der Biologen, vier unterschiedliche Arten von Pygmäenseepferdchen. Trotzdem gab es bei diesem Hinweis erste Anzeichen für eine allgemeine Verwunderung oder sogar Verunsicherung bei den Anwesenden. Schließlich hatten die Fotografen im Schnitt ca. 50 Diafilme im Gepäck oder aber etwa 10 Gigabyte freien Datenspeicher. Beides galt es in den nächsten Tagen mit possierlichen Critter-Tierchen zu füllen.

Thema Checkdive: Nach der allgemeinen Einführung und kurzer Stippvisite im Bungalow, gab es um 13:00 das erste Mittagessen, das seit einigen Wochen übrigens im neuen und wirklich schönen Restaurant des Resorts eingenommen wird. Um 15:00h stand dann der Check-Tauchgang auf dem Programm, das notwendige Übel vieler Tauchurlaube. Der wichtigste Hinweis beim Briefing durch den Tauchguide: "Die Maske ist vollständig zu fluten. Wer meint, sie nur halb oder zu dreiviertel fluten zu müssen, wird die Übung so lange wiederholen, bis ich sage, dass es ok war". Nun ja...

Hier nun einige Informationen zum Tagesablauf bzw. zum Tauchen allgemein im Wakatobi-Resort: Pro Tag werden 3 Bootstauchgänge angeboten. Die erste Ausfahrt startet in der Regel um 7:40h nach dem Frühstück (6:45h). Je nach Tauchplatz erfolgt danach eine kurze Rückfahrt zum Resort (zum Flaschen tauschen) oder aber es wird direkt der zweite Tauchplatz angeschlossen (nach 1 Stunde Oberflächenpause). Im Schnitt ist man dann gegen 12:00h wieder im Resort, um 13:00h gibt es Mittagessen und um 14:40 findet das Briefing für den dritten Tauchgang statt. So ist man etwa gegen 17:00h vom dritten Tauchgang zurück und um 19:00h ist es Zeit zum Abendessen. Anstelle des dritten Tauchgangs am Nachmittag besteht während des Aufenthalts zweimal die Möglichkeit, einen Nachttauchgang vom Boot aus zu unternehmen. In diesem Fall verschiebt sich das Abendessen entsprechend nach hinten. Um 22:00h ist in der Regel das Licht aus, heißt, die Versorgung mit Getränken in der Bar endet dann im Allgemeinen. Jetzt wurde uns auch die Bemerkung während der Einführung klar, dass man davon ausgehe, dass gegen 22:00h (hoffentlich) alle schlafen werden.

Zum besten Hausriff der Welt: Entgegen den Informationen, die wir auf der BOOT in Düsseldorf aus erster Hand bekommen haben, darf das Hausriff nicht rund um die Uhr betaucht werden. Hausrifftauchen ist zwischen 6:00h morgens und 22:00h abends möglich, da es zu dieser Zeit bewacht wird und so immer ein Auge auf auftauchende Gäste geworfen werden kann (zwecks Einsammeln mit dem Taxi-Boot). Dies führt leider dazu, dass ein Early-Morning Tauchgang nicht möglich ist, wenn man am ersten Bootstauchgang teilnehmen möchte, da in diesem Fall das Equipment um 06:45h bereit stehen muss, um von den einheimischen Helfern auf das Boot gebracht werden zu können. Darüber hinaus ist das Hausriff aufgrund von Ebbe und Flut (es herrscht einTidenhub von 2 Metern) gar nicht zu jeder Zeit wirklich gut erreichbar. Hinzu kommen teilweise extrem starke Strömungen (im Resort als Wakatobi-Express bekannt), die das Fotografieren an der Steilwand zu dieser Zeit nahezu unmöglich machen. Ebenso fällt die Sicht während dieser Zeit stellenweise gegen null.

Dies gilt für Teile des Riffs und vor allem auch für die viel gepriesene Seegraswiese. Diese ist übrigens dafür verantwortlich, dass das Schwimmen am wunderschönen Sandstrand (wegen Drachenköpfchen und Stachelrochen) grundsätzlich verboten ist. Taucht man zur richtigen Zeit, so ist das Hausriff allerdings ein wunderbares Erlebnis. Neben unterschiedlichen Seepferdchen, und anderen Makro-Motiven sind regelmäßig Schildkröten, Büffelkopfpapageienfische, ein großer Schwarm Schnapper und gelegentlich Adlerrochen anzutreffen. Man kann in diesem Riff also viele unterhaltsame Tauchgänge verbringen. Gleiches gilt übrigens für die Seegraswiese, sofern man den richtigen Zeitpunkt erwischt.Zum richtigen Zeitpunkt: Nachts scheint nicht die richtige Zeit zum Hausrifftauchen zu sein. Unseren einzigen Nachttauchgang am Hausriff haben wir aufgrund starker Strömung und extrem schlechter Sicht abgebrochen. So haben wir es in 10 Tagen leider nur auf insgesamt 3 Nachttauchgänge gebracht. Einen Guide gibt es am Hausriff übrigens nur, wenn dafür ein Bootstauchgang entfällt, da die Guides maximal dreimal am Tag ins Wasser gehen und die Bootstauchgänge grundsätzlich begleitete Tauchgänge sind.

Bootstauchgänge: Die Riffe um das Wakatobi-Resort bestehen hauptsächlich aus Steilwänden, die allesamt traumhaft schön mit Korallen bewachsen sind. Die für Indonesien typischen Critter-Motive muss man allerdings wirklich suchen. Aber es gibt sie! Insofern erwiesen sich die anfänglich geweckten Befürchtungen allerdings als durchaus begründet. Und leider waren wir auch hier, weit ab vom Hausriff, von den für Juni avisierten maximalen Sichtweiten von 80 Metern Horizontalsicht etwa 50 Meter weit entfernt.

Ein Wort an Fotografen: Das Wakatobi Resort wirbt für sich selbst als ein El Dorado für Unterwasserfotografen. Tatsächlich findet der ambitionierte Fotograf hier einen Kameraraum zu seiner Verfügung, der wahrscheinlich auf der ganzen Welt seines Gleichen sucht. Es ist alles vorhanden: Klimaanlage, viel Platz, Steckdosen in allen Varianten, Kühlschrank, Diaentwickler und und und.

Allerdings steht sich das Resort mit seinen hohen Ansprüchen an ökologischen Urlaub stellenweise selbst im Weg. Das Umweltbewusstsein nimmt stellenweise etwas merkwürdige Auswüchse an: Einer Fotografin, die mit einer Nikonos fotografierte, wurde die Verwendung der Abstandshalter (Rähmchen) für die Makro-Objektive verboten, da sie mit diesem die Korallen beschädigen könnte. Bei Zuwiderhandlung droht Tauchverbot für den Rest des Urlaubs. Übrigens wurde mehrfach erwähnt, dass schon der eine oder andere namentlich bekannte Fotograf einen Strandurlaub auf Wakatobi verbringen durfte, weil er sich mit den aufgestellten Regeln nicht zu arrangieren wusste.

Ihren Höhepunkt um das Fotografieren unter Wasser fanden die skurrilen Geschichten aus unserer Sicht, als die (modellgleichen) Flossen eines Gastes mit denen des Guides verglichen wurden, um die Tarierfähigkeiten zu beurteilen. Ergebnis: Die Flossen des Guides sahen nach 2000 Tauchgängen besser aus, als die des Fotografen nach "nur" 800 Tauchgängen. Ergo: Fotografen sind rücksichtslos und / oder können nicht tarieren. Nun ja…

Das Resort: Das Resort ist wirklich liebevoll gestaltet und die komfortablen Bungalows fügen sich wunderschön in die Inselidylle ein. Alle Bungalows verfügen seit kurzem über eine Klimaanlage, die zusätzlich zum vorhandenen Ventilator für angenehmes Raumklima sorgt. Die Bungalows werden mehrfach am Tag gereinigt und sind somit sauber und gepflegt. Schade, dass das Bad keine abgetrennte Duschzelle hat, sondern (in alter Kreuzfahrtmanier) das komplette Bad beim Duschen geflutet wird. Dies tut dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch. Wer es dann noch komfortabler möchte, kann auch eine der beiden neuen Cliff-Villen mieten, die etwas abseits von den übrigen Bungalows liegen und einen traumhaften Blick von der Terrasse aufs Wasser bieten. Insgesamt sind sie größer und moderner ausgestattet als die Bungalows. Diese Annehmlichkeiten schlagen allerdings mit ca. 1.500 USD Aufpreis zu Buche. Auch die etwa 300,00 USD Aufpreis für einen Beach-Bungalow gegenüber einem Garden-Bungalow muss man aus unserer Sicht nicht unbedingt investieren, da auch die Garden-Bungalows in zweiter Reihe nur etwa 30 Meter vom Strand entfernt liegen.

Im Preis für zehn Tage sind drei Mahlzeiten, Snacks auf den Booten und Wasser, Kaffee und Tee enthalten. Die Mahlzeiten werden im neuen Restaurant eingenommen und bieten eine Mischung aus internationaler und einheimischer Kost. Sushi-Freunde werden sich über den fangfrischen Fisch (je nach Angelerfolg Thunfisch oder Wahoo) freuen, der alle zwei Tage zusätzlich zum Abendessen serviert wird. Besonders zu empfehlen sind die frischen Fruchtcocktails, die für 2,50 USD erhältlich sind und die eine willkommene Abwechslung zum stillen Wasser aus dem Spender bieten.

Ein besonderes Lob gilt den einheimischen Helfern im Resort, egal ob Tauchguide, im Restaurant, beim Füllen der Flaschen, auf den Booten oder beim Säubern der Bungalows. Alle sind extrem freundlich und zuvorkommend. Ein Eindruck, der sich übrigens auch beim Besuch des Dorfes der Einheimischen bestätigte. Ein Erlebnis, das man sich übrigens nicht entgehen lassen sollte. Für die einheimischen Kinder ist es darüber hinaus auch ein offensichtlicher Höhepunkt, Besuch von den hellhäutigen Touristen zu bekommen.

Fazit:
Alles in allem hatten wir einen schönen Urlaub auf Wakatobi, auch wenn sicherlich nicht alle Erwartungen erfüllt wurden. Dies liegt aus unserer Sicht zum einen an den durch die eigene Homepage geweckten Erwartungen an das Tauchgebiet, zum anderen aber auch am "Rhythmus" im Resort selbst. Deutlich ist zu merken, dass das Resort vor allem auf amerikanische Gäste eingestellt ist (ca. 80% der Besucher). Wer den straff organisierten Tagesablauf mag, für den ist es sicherlich genau das Richtige. Taucher, die Wert auf Flexibilität in ihrer Urlaubsgestaltung legen, müssen dahingehend Abstriche machen. Einer der (deutschen) Guides gab uns übrigens zu verstehen, dass für ihn Amerikaner sowieso die liebsten Gäste im Resort seien, da sie doch viel pflegeleichter wären, als die anspruchsvollen Deutschen.Übrigens waren eben diese amerikanischen Gäste vom Tauchen ebenso enttäuscht wie wir, sie haben es vermutlich nur nicht so offen geäußert…

Letztlich kamen wir zu dem Schluss, dass man auf Wakatobi zwar einen schönen Urlaub verbringen kann, den wir persönlich zum gegebenen Preis/Leistungs-Verhältnis allerdings nicht wiederholen würden. Noch eine Anekdote zum Schluss: "Weltbestes Hausriff" soll es nach Aussage eines Guides heißen, weil es für den Ersteller der Homepage das "weltbeste Hausriff" ist. Nun ja…