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17.10.2017 : 13:22 : +0200


Hai Tauchen, Südafrika, Reisebericht TIGERSHARK DIVE bei Umkomaas

Wir überleben im Wasser, weil sie uns nicht verstehen! 

Ein Reisebericht von Timo Weber

Ohne Flossenschläge lassen wir uns langsam ins blaue Wasser hinabsinken. Um uns herum wimmelt es von Schwarzspitzenhaien.

 

 

Ich versuche sie zu zählen, zumindest ihre Zahl grob zu überschlagen. Der Versuch misslingt. Zu viele, zu schnell. Unser Guide schätzt sie nach dem Tauchgang auf etwa 40 bis 50. Ein absolutes „Hai“-Light für jeden Großfischliebhaber.Und dennoch sind sie an diesem Tag nur eine Begleiterscheinung. Das eigentliche Ziel unseres Tauchgangs zeichnet sich in etwa 20 Metern Tiefe dicht über dem felsigen Grund ab, während wir uns in aufrechter Position in etwa 8 Metern neutral austariert haben.

Auffallend ist das Tigermuster

Auffallend ist das Tigermuster, welches das Objekt der Begierde ziert. Bemerkenswert, denn nur die Jungtiere tragen die für die Namensgebung verantwortliche Zeichnung. Doch das Tier unter mir hat eine Körperlänge von gut 4 Metern. Eine durchaus beachtliche Größe – für ein Jungtier.Ich bin mittendrin – im Tigershark Dive vor der Küste von Umkomaas in Südafrika. Neben den bereits erwähnten Black Tips kreisen 5 große Tigerhaie um eine mit Fischresten und Fischöl gefüllte Waschmaschinentrommel.

Der größte Tiger misst gut und gerne 4,5 Meter.

 Erstaunlich, welche Vorsicht diese großen Räuber walten lassen, bevor sie sich dem vermeintlichen Leckerbissen tatsächlich bis auf „Schlagdistanz“ nähern. Das Erscheinungsbild eines Tigerhaies ist nicht allein wegen seiner Größe beeindruckend. Tigerhaie (Galeocerdo cuvier) haben einen langen, schlanken Körper und ihre Schnauze hat nicht die für Haie typische spitze Form, sondern ist flach und kantig. Den Anblick eines direkt auf einen zuschwimmenden Tigerhaies vergisst man nicht. Vermutlich nie mehr! Zu groß ist die Ehrfurcht die einen überkommt, wenn man diese Tiere in unmittelbarer Nähe in ihrer natürlichen Umgebung erleben darf.

Und wir sind zu Gast in ihrem Element

Von ihnen geduldet. Im Element eines Tieres, welches sich im Laufe der Evolution auf ein
außerordentlich breites Nahrungsspektrum eingerichtet hat: Tigerhaie fressen Schildkröten, Vögel, Fische und andere Haie. In ihren Mägen wurde schon so allerlei Unrat wie Nummernschilder oder Autoreifen gefunden. Diese besondere Art der Spezialisierung sicherte ihnen vermutlich seit mehreren Millionen Jahren das Überleben.

Immer wieder drehen die großen Haie ihre Runden um den für sie verlockend riechenden Metallbehälter. Im Gegensatz zu den (2 Meter) kleinen, quirligen Black Tips schweben die Tiger majestätisch durchsWasser. Erst nach einer ganzen Weile wagt es der erste von ihnen, sich im Stahlseil der Waschmaschinentrommel zu verbeißen, in der Hoffnung, den einen oder anderen Fisch hinaus zu schütteln.

 

Meine Augen sind überall.

Vorne, hinten, rechts, links, oben, unten – kurz durch den Sucher der Kamera geschaut und dann wieder den „Rundumblick“ von vorne beginnen. Es ist beruhigend zu wissen, wo sich jeder einzelne der 5 Tigerhaie gerade eben befindet. „Sie kommen am liebsten von hinten, oder von oben auf euch herunter. Sie sind intelligent und wissen, wann ihr sie seht und wann nicht.“ Diese Sätze aus dem Briefing gehen mir in diesen Augeblicken durch den Kopf.Es gibt einige Hinweise, die man im Vorfeld dieses besonderen Tauchganges in einem sehr ausführlichen Briefing bekommt und die man durchaus beherzigen sollte. Eine sinnvolle Empfehlung lautet, sich immer auf Höhe der Gruppe auszutarieren und sich nicht unterhalb der Gruppe aufzuhalten. „Wenn ihr euch nach untern absinken lasst, signalisiert das Schwäche. Tote und verletzte Tiere sinken nach untern. Wenn ihr das tut, kommen sie garantiert ganz nah an euch heran.“ Die Praxis zeigt: Es stimmt!

Und ein weiterer Satz klingt noch heute in meinen Ohren, als wäre das Briefing eben erst zu Ende gegangen: „Sie begreifen uns nicht.

Sie verstehen nicht, was wir sind. Deshalb haben sie auch keine Ahnung, wie überlegen sie uns sind. Nur darum überleben WIR im Wasser“.

Zu unserer Erleichterung haben sie auch während unseres Tauchganges nicht „verstanden“! Als ich wieder aus dem Wasser komme, bin ich glücklich.

Glücklich, dass ich die Gelegenheit hatte, diesen wohl einmaligen Tauchgang erleben zu dürfen und diese faszinierenden Tiere aus nächster Nähe sehen zu können. Sicherlich kann man lange darüber diskutieren, was von Tauchgängen mit „angefütterten“ Haien zu halten ist.

Es gibt unterschiedlichste Abstufungen dieses Vorgehens: Die einen locken die Tiere lediglich an, ohne dass sie im Wasser etwas zu fressen finden, bei anderen wird mehr oder weniger stark „gefüttert“, so dass die Tiere sich mit der Zeit auch an die Taucher im Wasser gewöhnen und sich dadurch möglicher Weise auch anders (weniger vorsichtig) verhalten als normal üblich.

Egal, welche Entscheidung man an dieser Stelle trifft: Das Tigershark-Diving bei Umkomaas war ein unglaubliches Erlebnis, welches jeder von uns ganz bestimmt nicht mehr vergisst.

Wir in unserer Gruppe waren uns einig: Wir alle waren froh, es gemacht zu haben. Ob wir es wieder machen würden? Das muss jeder für sich entscheiden. Denn: Vielleicht „verstehen“ die Haie ja irgendwann doch einmal…