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24.6.2017 : 9:08 : +0200


Tauchsafari Indonesien

Ein umfassender Reisebericht von Rene Sehl

 

Die weißen Flecken auf dem Globus werden weniger. Aber es gibt noch welche, zumindest unter Wasser. An den endlos langen Küsten Indonesiens liegen immer noch unberührte Unterwasserlandschaften, die kein Taucher je erkundet hat.

 

(c) Rene Sehl - Südtour Liburan

 

Nord -Zentral -und Südsulawesi

Es handelt sich vornehmlich um die einsamen Küstenregionen der Provinzen Nord -Zentral -und Südsulawesi. Rene Sehl war mit der Liburan auf Explorertour in einem fremden Land.
Die Vorstellung, man könnte Sulawesi locker in einigen Tagen umrunden und dabei noch gemütlich tauchen, gerät angesichts der gigantischen Entfernungen schnell ins Wanken. Es tun sich Distanzen auf, die einen klein und unbedeutend vorkommen lassen. 

 

 

Wer hier die Unterwasserlandschaften erkunden will, benötigt Zeit. Außerdem gibt es eines nicht… Informationen über Tauchgründe. In dieser Abgeschiedenheit tauchen keine Pauschalurlauber. Zum Tauchreiseangebot: hier lesen !

Wie am Ende der Welt
Als uns nach zwei Wochen das Obst und Gemüse ausging, gab es nur beschränkte Möglichkeiten, die zu Ende gehenden Vorräte teilweise wieder aufzufüllen. In den Dörfern ist außer Fisch, Wasserspinat und Kochbananen nicht viel zu holen. Auch das Bunkern von Treibstoff ist nicht so einfach. Nur an sehr wenigen Stellen kann man tanken. Nicht unterschätzen darf man das allgemeine Risiko einer solchen Reise. Weitab der Zivilisation gerät jedes harmlose Manöver zwischen Felsen und Untiefen zum gefährlichen Risiko. Nicht immer stimmen die Seekarten. Viele der Riffe sind entweder nicht verzeichnet oder ungenau positioniert. Gleiches gilt für die Tauchgänge. Sie mutieren zum kleinen Abenteuer, weil man nie weiß, was einen erwartet. Unberechenbare Strömungen … auch nach unten, können den Sprung ins Meer zum Vabanquespiel machen. Vernunft und Umsicht ist angesagt. Tieftauchgänge sollten tabu sein, Dekompressionstauchen beinhaltet ein Risiko, das nicht abgeschätzt werden kann, denn die nächste Dekokammer käme einem, sollte man sie brauchen, so weit entfernt vor wie ein interstellarer Flug. Kurzum, die Chancen tendieren bei einem schweren Tauchunfall gegen Null.

Abenteuer in der Einsamkeit
Um solche Expeditionen durchzuführen, braucht es einen Menschen mit Schiff und Mut zum Risiko. Und es braucht auch Taucher, die bereits sind für dieses Wagnis zu bezahlen, sich zwei oder drei Wochen auf engstem Raum bemühen, mit den Anderen auszukommen. Einfach ist das nicht, wie einige zum Glück harmlose Vorfälle und Wortgeplänkel belegen. Explorertouren sind das Salz in der Suppe eines Taucherlebens. Aber Suppen können auch versalzen sein. So wenn die Tauchgründe das nicht hergeben, was man sich erhofft hat. Das Wetter nicht mitspielt und eventuell das Schiff oder das Essen nicht den Erwartungen entspricht. Im Süden von Nordsulawesi ist das Wasser erstaunlicherweise etwas kühler als im Norden (1° bis 2° ) und ist in seiner Gesamtheit auch nicht so klar, wenngleich man die Meßlatte nicht so hoch ansetzen soll. Denn eines hat der Süden, nämlich unberührte Korallenfelder in endlosen Dimensionen. Farbig wie ein Malkasten, vielseitig wie ein gut sortierter Supermarkt. Diese Unterwasserwelt hat noch nie Menschen gesehen. Das spürt man beim Abtauchen, das fühlt man beim Filmen und Fotografieren. Die Tauchplätze haben keine Namen. Man ist Entdecker neuer Welten. Hier ist es noch möglich. Und wer wollte das nicht mal erleben?

Nur mit der Liburan
Es ist so und nicht anders. Wenn es gefährlich wird, die Reise sehr lang dauert, man Entschlusskraft, Willen und etwas Abenteuerblut benötigt, trennt sich die Spreu vom Weizen. Insbesondere in den Gewässern Nordsulawesis gilt dann die Liburan als das Non-Plus-Ultra. Die Inhaber Jenny und Rudi Ring scheuen sich nicht, auch Plätze anzusteuern, von denen man nur weiß, dass es sie gibt. Die im Folgenden beschriebene Tour kann nur auf und mit der Liburan gemacht werden. Und es spielt dann auch eine untergeordnete Rolle, ob einem Schiff und Eigner gefallen. Es geht nur mit ihnen. Trotz diverser Probleme und kleiner Reibereien, die auf einer dreiwöchigen Tour zwangsläufig auftreten, wenn Individualisten in der Gruppe leben müssen, sprechen die meisten davon, bald wiederzukommen. Denn da zu tauchen, wo noch keiner vorher war, ist nicht nur ein Privileg, sondern auch ein Erlebnis, das jemand am Roten Meer kaum noch in Anspruch nehmen kann.

Mayu
Seit Jahren spukt diese Insel in unseren Köpfen herum. Nie konnten wir uns entschließen, den gigantischen Weg von 9 h ab Bitung zu unternehmen. Die Explorertour in den Süden war Anlass, den weiten Trip zu unternehmen. Mayu liegt östlich zwischen Nordsulawesi und Halmahera (Nordmolukken) mitten im Meer und ist eine sehr große Insel, die auch bewohnt ist. Kleine Siedlungen erstrecken sich in dem bis an die Küste reichenden Urwald. Bis etwas 10 m Tiefe ist die UW-Landschaft etwas kahl (vermutlich Winterstürme), dann ab 20 m wird es interessant. Füselierschwärme, große Gorgonien, Schwämme und Weichkorallen prägen das Bild einer einsamen und nie zuvor betauchten Insel. Rund um Mayu kann man an diversen Stellen tauchen. Da Mayu mitten im Meer liegt, kommt man auch mit einer ordentlichen Dünung in Berührung. Insbesondere an der Westsküste spürt man sie bis auf 15 m hinab, was das Fotografieren und Filmen von Kleinmotiven etwas erschwert. Im Prinzip herrscht ständig leichte bis mittlere Dünung rings um die Insel, bei ansteigendem Wind auch starker Wellengang. Dann mutieren selbst Weitwinkelbilder zu kleinen Action-Abenteuern. Nachttauchen ist Angesicht dieser Bedingungen kein wirkliches Vergnügen. Ständig muss man aufpassen, dass man nicht in irgendwelche Giftfische und Feuerkorallen hineingetrieben wird.Wie sehr sich Inseln strukturell von Tauchplatz zu Tauchplatz unterscheiden, ist bekannt. Auch Mayu macht diesbezüglich keine Ausnahme. Ein echtes Erlebnis ist der Gorgonien-Wall. Hier zieht sich eine 40 m Steilwand hin, die über und über mit gelben, weißen und roten Gorgonien bewachsen ist. Von oben bis unten ohne Ende und ohne Anfang. Dazwischen wachsen eigenartige Formationen, Schwamm im Schwamm und Schwamm auf dem Schwamm. Die vielen Süßlippen, Barsche und Makrelen sind etwas scheu. Taucher sind ihnen unbekannt. Dass es zeitlich bedingt starke Strömungen geben muss, belegen die mächtigen Fächerkorallen, die man auch noch jenseits der 50 m antrifft. Strömungen ziehen auch Großfische an. Napoleons, Thunfische und Barrakudaschulen sind lebende Beweise für eine ausgewogene Unterwasserwelt. Lohnt der Trip nach Mayu? Nicht für Lusttaucher und Cocktailfotografen. Wohl aber für Abenteurer, die nicht bei jeder hohen Welle gleich nach dem Roten Kreuz und der Mami rufen.

 

Pokolor
Äußerlich ist Pokolor ein unscheinbarer Felsen im Meer. Seinen Reiz entfaltet der Gesteinsbrocken unter Wasser. In der leichten Dünung wogt ein wunderschöner Korallenbewuchs. Mit etwas Glück sieht man Sandtigerhaie und Schwarmfische. Das Tauchgebiet ist absolut unberührt. Das mag der Grund sein, weshalb die Fische alles andere als zutraulich sind. Der Grund ist mit Korallenschrott übersäht. Eine Folge von Schlechtwetterperioden und Stürmen. In den Korallentrümmern hausen jede Menge Skorpionsfische der unterschiedlichsten Art. Ein abwechslungsreicher Crittergarten mit seltenen Spezies. Pentenan
Ein Gemisch aus diversen Felsen, die teilweise aussehen wie Zuckerhüte. Bereits unweit der Wasseroberfläche sind die Felswände nahtlos mit orangenfarbenen Weichkorallen überzogen. Zweifelsohne einer der schönsten Tauchplätze in Nordsulawesi. Als Fotograf hat man die Qual der Wahl, denn hier geht alles vom Makroobjektiv bis zum Fisheye. Ein ausgesprochen fischreicher Platz mit Haien, Büffelkopfpapageienfischen, Süßlippen und Füselieren. Permanent spürt man eine leichte Dünung und sanfte Strömung. Ideal ist Pokolor für Modelaufnahmen mit erfahrenen Taucherinnen. Nur selten findet man derart komplett bewachsene Steilwände, wo sich Schwämme, Weichkorallen und Gorgonien die Plätze auf engstem Raum teilen. Dazwischen pulsieren hunderte von Fahnenbarschen. Manche Areale sind überzogen von gelben und weißen Blumenkohlkorallen. Unberührt, üppig, mannigfaltig. Im Schatten der Felsen sind die dicht sitzenden Aktinien auch tagsüber geöffnet. Einladend öffnen sich kleine Höhlen, an deren Eingängen man tolle Taucheraufnahmen gestalten kann.
Zwischen den Felsen erheben sich unterseeische Tafelberge, die über und über bewachsen sind und eine erstaunliche Motivvielfalt preisgeben. Rotfeuerfische und Kugelfische tauchen schwarmweise auf, Nacktschnecken, Korallenwächter, Oktopusse bei der Paarung, Riffhaie unter Tischkorallen, ein High-Light löst das andere ab. Ein absoluter Superplatz, den man bei der Südtour nicht auslassen darf.

Pulau Tulang
Kleine Insel mit sanft abfallendem Riff. Die Stein-und Weichkorallen sind absolut intakt. Nichts ist abgebrochen oder nur ansatzweise zerstört. Unzählige Gorgonien in diversen Farben krallen sich in den Untergrund. Zeitweise muss es hier mächtig ziehen, denn die Fächer sind riesengroß.
Beeindruckend sind die ausgesprochen schönen Tischkorallen, deren dichter Bewuchs ganze Hänge überzieht. Bei ca. 30 m stellt sich eine Sprungschicht ein, nach der das Wasser spürbar um 2 bis 3 Grad kälter wird. Insgesamt muss man konstatieren, dass das Wasser im Süden frischer ist als im Norden. Ein 5 mm Anzug mit Kopfhaube stellt sich überraschender Weise als nicht übertrieben heraus.
Pulau Tulang ist ideal für mitteltiefe Tauchgänge um 20 m, austauchen in 5 m Tiefe ist möglich inmitten kleiner Fischschwärme und wunderbar bewachsenen Hartkorallen in unterschiedlichen Farben, Formen und Mustern.

Critters Rock
Ein zwiespältiger Tauchplatz mit vielen Sandflächen und mäßiger Sicht, aber einer bemerkenswerten und höchst attraktiven Kleintierwelt. Hier ist entscheidend, wo man taucht. 100 m daneben und man fühlt sich wie ein Verlassener in der Wüste Gobi. Oder Glück gehabt und die richtige Stelle erwischt, dann wähnt man sich im Zoo für Critters und seltsamen Meeresbewohnern. Jahrszeitlich bedingt trifft man auf starke Quallenpopulationen. Die Fische sind scheu, dafür wird man von Nacktschnecken, Shrimps in Gorgonien, Wasserschlangen, eigenartigen Seescheiden in Hydrozoenfächern und bemerkenswerten Korallenstrukturen verwöhnt. Bis ca. 6 m Tiefe ist das Wasser sehr warm. Und es gibt weder Strömung noch Dünung.

Pulau Racun
Freier Abstieg bis auf ca. 15 bis 18 m. Nur für erfahrene Taucher ohne psychische Probleme im Blauwasser. Der Meeresgrund ist bewachsen mit dicht stehenden Fächerkorallen von erstaunlicher Größe. Zeitweilig muss es hier ganz schön blasen. Große Weichkorallenblöcke und stattliche Becherschwämme lockern die Unterwasserwelt auf, die sanft bis auf 45 m Tiefe abfällt, wo sie dann in eine große Sandfläche mündet. In den Korallenblöcken verstecken sich Pygmäenseepferdchen, Rotfeuerfische, Haarsterngarnelen, Paddelbarsche und Nacktschnecken. Weitwinkel-und Makroobjektive können zu gleichen Prioritäten eingesetzt werden. Die Sicht ist akzeptabel, manchmal sichtet man Haie. Achtung: Immer Dekozeit beachten, weil im Freiwasser aufgetaucht werden muss. Abstiege sind nur zu empfehlen, wenn keine oder nur leichte Strömung herrscht. Das muss vorher eruiert werden.

 

 

Pulau Kumeke
In 7 bis 8 m Tiefe erstrecken sich große Sandflächen mit vielen Blaupunktrochen, zu denen man sich frei hinabfallen lassen muss. Die vordergründig triste UW-Welt wird aber durch solitäre Korallenblöcke aufgelockert, die unglaublich dicht mit buschigen Weichkorallen bewachsen sind. Vor denen pulsieren attraktive Glasfischschwärme . Ein steiles Motiv für Weitwinkelfans, wenn man die Sonne mit einbezieht. Peitschenkorallen streben lokal gegen das Licht, Rotfeuerfische, Skorpionsfische, Sepiaschulen und Makrelenschwärme verwöhnen auch das Auge von Nichtfilmern und Nichtfotografen. Die Sicht ist etwas bescheiden, aber das macht dieser eher unscheinbare Platz mit enormer Artenvielfalt und versteckten Motiven wieder wett. Video und UW-Fotografie gelingt hier besser als man denkt. Der Critterbestand ist gut, aber daneben sollte man auch die vielen Seefedern und Seescheiden beachten. Weitwinkelfans sollten sich auf Taucher in der Sonne mit geblitzten roten Weichkorallen im Vordergrund konzentrieren. Achtung: Austauchmöglichkeit besteht nur bis maximal 7 m Tiefe. Hier kann man aber die letzten Bilder inmitten eines ansehnlichen Korallenbewuchses loswerden. Folgen Sie immer dem Guide, sonst verfransen Sie sich auf den weiten Sandflächen. Die Mitnahme eines Kompasses ist kein Fehler.

Pulau Bambujano
Ein Platz, der zwiespältigen Gefühlen Vorschub leistet. Nicht sonderlich erbaulich für Lusttaucher, aber grandios für Makrofreaks und stellenweise auch für Weitwinkelfans. Einmaliges Erlebnis: Eine große Sepia begleitete uns den ganzen Tauchgang und hinterließ ein schäumendes Glücksgefühl. Das Tier, das vermutlich noch nie einem Taucher begegnete, begann Fraternisierungsversuche wie ein vernachlässigtes Haustier. Ließ sich berühren, in Position bugsieren und in allen Lagen fotografieren, folgte uns am Ende des Tauchgangs bis zur Wasseroberfläche. Rätselhaft auch hier: Wenige und scheue Fische sowie eine milchige Sicht. Ob es am Wellengang und der leichten Strömung lag. Konstatieren muss man allerdings, dass die Einheimischen mehr oder weniger vom Meer leben und in Ufernähe alles herausfischen, was essbar ist. Mit Netzen und mittels Speerfischen. Das macht sich irgendwann bemerkbar. Nicht nur am Verhalten der Meeresbewohner, zwangläufig werden auch die standorttreuen Fische weniger.

Batu Mandi

Etwas für trainierte Tauchsportler. Starker Wellengang und mäßige Strömung sind normal, was unter Umständen beim Einstieg ins Beiboot etwas Probleme bereiten kann. Batu Mandi sind zwei vom Wasser umspülte Felsbrocken, die über und über mit Weich-und Fächerkorallen bewachsen sind. Atemberaubend sind einige Tausend Anthiasbarsche, die sich im Korallenwald tummeln. Ebenso die mächtigen Fächerkorallen, hinter denen sich jedes Model ohne Mühe verstecken kann. Leider herrscht meistens eine eher mäßige Sicht, in der sich aber Weißspitzenhaie blicken lassen und ein stationärer Heringsschwarm die Sonne verdunkelt. Wer ein Auge für den Nahbereich hat, findet viele und seltene Nacktschnecken. In 20 m Tiefe endet der Abstieg in einem riesigen Korallenschuttfeld, in dem es vor Skorpionsfischen und anderen Monster-Kreaturen nur so wimmelt.

Pulau Bondang
So unscheinbar die unweit der Küste liegenden Felsen aussehen mögen, sie haben es faustdick hinter den Ohren. Unter Wasser beginnt ein Tauchermärchen ohnegleichen. Beim Abtauchen gleitet man an wunderschönen Hart-und Weichkorallen vorbei. Der Traum endet erst in 25 m Tiefe. Zum Eyecatcher werden die über mannshohen Gorgonien, die strukturell die Unberührtheit dieser Lokalität repräsentieren. Ungewohnt für das Auge sind riesige Felder mit grünem Blasentang, der einen eigenwilligen Kontrast zu den farbigen Softkorallenwänden bildet. Immer wieder stößt man auf skurrile und groteske Motive, wie Skorpionsfisch auf roter Gitterkoralle oder blaue Nacktschnecke auf anthrazitfarbenem Schwamm. Die Pygmäenseepferdchen erreichen hier eine erstaunlich Größe Sie sitzen meistens paarweise in kleinen rötlichen Fächerkorallen beieinander. Auf den sanft abfallenden Sandflächen verstecken sich bizarre Lebewesen wie Schlangenaale, Teufelsfische, gelbe Muränen und falsche Steinfische. Pulau Bandang ist gleichermaßen für Lusttaucher und fanatische UW-Fotografen geeignet. Ein Top-Tauchplatz, der mehrere Abstiege rechtfertigt.

Karang Meja
Kleiner unterseeischer Tafelberg mit gigantischen Tischkorallen. Wir schätzten etwa durchschnittlich 4 m im Durchmesser. Komplett unberührt und noch nie vorher betaucht. Auch hier überraschte uns die UW-Welt mit ausgedehnten Blasentang-Rasen in schillerndem Hellgrün. Optisch ist Karang Meja ein wunderschönes Riff, toll bewachsen, unter anderem auch mit riesigen Schwämmen bzw. gigantischen Schwammformationen, die gewaltige Umfänge aufweisen. Die Weichkorallen sind durchweg bräunlich, nur ab und an findet man welche in Rot oder Orange. Bemerkenswert viele Feuerkorallen wachsen hier als buschige Kolonien. Der Kleinfischbestand ist sehr gut, ebenso der von Bodenbewohnern. Auffällig ist, dass es kaum Faunisten größer als 50 cm gibt. Die Mördermuscheln erreichen hingegen stattliche Dimensionen. Wegen der erbaulichen Sichtweiten, der kaum merkbaren Dünung und fehlender Strömung ein Platz für Relaxtauchen und entspanntes Fotografieren.

Cheltijs Point
Ein eigenartiges und konträres Riff mit freiem Abstieg auf 10 m Tiefe. J nach dem, wo man ins Wasser springt entpuppt sich Cheltijs-Point entweder als Flop oder als Top. Der Flop zeigt sich als tristes, unattraktives Riff mit mäßigem Korallenbewuchs und viele Sandflächen. Wer aber den richtigen Abstieg erwischt, kommt an eine Steilwand, die einem den Atem verschlägt. Bis 35 m Tiefe ist sie nahtlos mit gewaltigen Fächerkorallen und mächtigen Schwämmen bewachsen. Vor dem Drop-Off patrouillieren Barrakudaschwärme, Haie, Schildkröten und Makrelen. Hier ist die Sicht überdurchschnittlich gut, aber die Strömung kann urplötzlich anziehen und einen verblasen wie ein Stück Papier im Sturm. Nehmen Sie grundsätzlich eine Banane oder eine Boje mit. Sie befinden sich hier weit ab von Schuss!!

Coral-Garden
Außerhalb einer kleinen Bucht fallen die Wände sanft bis steil hinab. Tiefer als 15 m braucht man nicht abzutauchen, weil es uninteressant und trist wird. Seine Schönheit entfaltet der Coral-Garden in Schnorcheltiefen um 5 m. Hier erstreckt sich ein Hartkorallengarten, der zu den schönsten in Indonesien zählt. Fast fugenlos ist er bewachsen mit Tisch,-Geweih,-und Salatkorallen. Allein die Tischkorallen bedecken viele 100 Quadratmeter. Nicht minder gedeihen die riesigen Salatkorallen, deren einzelne Elemente so groß wie Elefantenohren sind. Der Anblick ist unbeschreiblich, unvergesslich und atemberaubend. Auch deswegen, weil nichts zerstört, nichts abgebrochen und nicht gebleicht ist. Ein Garten Eden wie man ihn selten findet. Vergessen sind alle Großfische.
Inmitten dieses Korallenparadieses entdeckten wir die schönste Mördermuschel unseres Lebens. Marine-Art der besten und seltenen Sorte. Trotz der wenigen und auch nur kleinen Fische kommt man auch hier zu seinem Schuss. Schwärme von Demoiselles und Riffbarschen ziehen durch den Korallengarten. Gelegentlich zeigt sich ein Maulbrüter.

Gunung Rae
Benannt nach der amerikanischen Meeresbiologin Rae Matsumoto, die mit an Bord war. Etwas schwierig zu finden, wenn man die GPS-Daten nicht kennt. Nur für versierte und erfahrene Taucher. Nach einem freien Abstieg im offenen Meer geht es auf ein Plateau in 10 bis 12 m Tiefe. Außerhalb dessen fällt das Riff weiter ab bis auf 50 m. Wer das Plateau nicht findet, muss wieder auftauchen. Der Tauchgang ist dann beendet, denn im Freiwasser wird man von einer starken Strömung erfasst und davongetragen, die mondphasen-abhängig auch nach unten ziehen kann. Der Meeresgrund ist komplett intakt und unberührt. Die brauen Weichkorallen und Gorgonien klammern sich an die bergähnlichen Riffhänge und sind von der permanenten Strömung ausgeformt. Vom Fotografieren im Makrobereich ist abzuraten, weil man sich kaum festhalten kann. Weitwinkel ist allerdings im Vorbeifahren an den Wänden gut machbar. Verhalten Sie sich speziell hier umsichtig und überlegt, keine Dekotauchgänge anvisieren, immer am Riff und in der Nähe des Dive-Guides bleiben. Wer bei Gunung Rae im Meer abgetrieben wird hat speziell am Nachmittag ein kleines Problem, wenn man ihn gegen die untergehende Sonne suchen muss. Das kontrollierte Abenteuer muss nicht notwendigerweise in einen Katastrophe enden. Tut es auch nicht, wenn man vernünftig bleibt.

Pulau Bouting
Ein Tauchplatz, der beim Abtauchen unscheinbar wirkt und deshalb auch nicht viel herzugeben scheint. Der Tauchgang beginnt eher langweilig, steigert sich dann aber über den Sandflächen wie Lembeh in seinen besten Tagen. Und die Sensationen nehmen kein Ende. Schlag auf Schlag geht es weiter.Skorpionsfische in Lederkorallen, Teufelsfische im Sand vergraben, Flambojant-Sepias in Action, Leierfische, Nacktschnecken, Langusten, Oktopusse und bizarre Steinkorallen. Der Knaller aber ist ein stationärer Schermesserfischschwarm von solcher Größe, dass sogar ein Fisheye-Objektiv überfordert ist. Man kann durch den Schwarm hindurch schwimmen und sich dabei einhüllen lassen. Als i-Tüpfelchen entpuppte sich eine große Anemone, die mehrere Schwarmfische gleichzeitig verschlang. Vermutlich waren die Fische den Tentakeln zu nahe gekommen. Diese Leckerbissen ließ sich die Anemone nicht entgehen. Und weiter geht`s. In 25 m Tiefe befindet sich eine Rochenansammlung von beachtlicher Größe. Stech-und Blaupunktrochen haben sich hier als Schwarmfische versammelt. Sting-Ray-City ist ein Reißer von besonderem Reiz. Unheimlich kann es einem werden, wenn man im Sand Hunderte von Augen blinken sieht und weiß, dass zu jedem Augenpaar ein gefährlicher Schwanzstachel gehört.

Hogow
Ein wunderschönes Korallenriff mit guter Sicht. Horizontal 20 m und mehr sind normal. Zwischen 30 und 36 m Tiefe stehen gigantische Seefedern von gut und gern 50 cm Höhe. Aufpassen, dass man die Zeit nicht vergisst!! Auf den Sandflächen huschen Grundeln umher, lassen sich sogar problemlos ablichten.Beim Auftauchen sollten Sie sich Zeit lassen. In ca. 8 m Tiefe erstreckt sich ein herrlicher Garten mit Weich-und Hartkorallen von besonderer Schönheit in viele Farben. Unberührte Salatkorallenfelder wechseln mit Hirn-und Geweihkorallen. Skorpionsfische, Nachtschnecken, Maulbrüter, Schermesserfische als Schwarm und Füseliere in Wolkenform verwöhnen das Auge.
Aber aufgepasst, es herrscht eine stetige, wenn auch meistens nur leichte Strömung, die aber mondphasenabhängig unberechenbar anziehen kann. Immer am Riff bleiben ist die beste Versicherung gegen ungewolltes Abtreiben.

Pulau Lampu
Vor der Provinz Gorontalo liegen viele Felsen im Meer. Welchen man sich zum Tauchen aussucht, ist einerseits Glückssache, andererseits auch viel Erfahrung. Gefahrlos zu betauchen und weitgehend strömungsfrei sind sie alle. Als Tauchplatz gehört Pulau Lampu zur Gruppe der vielseitigen Areale. Ab 5 m Tiefe zieht sich ein Korallengarten bis auf 20 m Tiefe hinab. Und dieser Korallengarten ist ein Kleinod, das seinesgleichen sucht. Die Tischkorallen bilden stufenartige Reliefe von gigantischen Ausmaßen. Die Strukturen sind bizarr, mächtig und einmalig. Hier sollte man definitiv das Weitwinkel-oder das Fisheyeobjektiv montieren. In den Flachzonen benötigt man bei hoch stehender Sonne kein Blitzgerät, sollte aber einen UW-Filter vorschalten. Der Platz ist erstaunlich fischreich, aber die Korallen toppen alles. Wer es makromäßig lieber mag, muss die Felsen etwas umrunden, dann gelangt er in ein Areal mit Nacktschnecken und Critters vom Feinsten.

Text und Fotos: (c) Rene Sehl - Südtour Liburan

Infos und im Auftrag
www.dive-liburan.com