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21.5.2012 : 21:23 : +0200


Wie viel Ausbildung braucht ein Taucher?

Artikel v. Jörg-Olrik Graul

Eine doch immer wieder gern gestellte Frage, die immer gerne, wild und kontrovers geführt wird, unter Tauchlehrern, Sporttauchern und allen die mit der Szene zu schaffen haben.

Besonders interessant bei Taucherstammtischen oder bei der Rückfahrt von einem schönen Tauchgang vielleicht am Rotem Meer, wo der Einzelne das gerade Erlebte noch frisch vor der Maske und dem innerlichen Auge hat.

Wenn man die emotionale Komponente "Stammtisch" ein wenig zur Seite schieb und sich die Sache mal von der Sicht eines Anfängers oder Einsteigers betrachtet, ist die Informations-schwemme schon beachtlich und für viele auch mit Sicherheit verwirrend.

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Die Medien sind voll von verlockenden Angeboten von Kursen und Aktivitäten, die selbst gestandene Taucher ins Grübeln bringen, mit Bezeichnungen, meist in engl. Sprache, die oft nur mit einem kurzen Blick ins Wörterbuch zu entschlüsseln sind.

Caven, Cave, Skooter, Navigation, U/W Naturalist, Nitrox, Wrack mit und ohne Penetration, Heli, Tri-Mix I+II Kurse, Teck-Intro, usw, usw.

Oft wird aber leider in der Tauch Szene meiner Meinung nach vergessen, einen wirklich echten Nutzen für den Taucher aufzuzeigen, mit der abschließenden Frage:

... will er das? Braucht er das?

Fakt von der Sicht eines erfahrenen Tauchers oder Tauchlehrers ist mit Sicherheit, dass mit dem Erwerb des ersten Brevets wie "Open Water Diver", "Bronze", "Schuba Diver" zwar ein großer und wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht wurde, der aber wirklich nur das Basiswissen vermittelt hat.

Wurde die Ausbildung von einem verantwortungsvollem und gut ausgebildeten Instruktor durch-geführt, ist dies ein starkes Fundament um sicher an den wundervollen Sport des Tauchens und Erlebens der Unterwasser Welt teilzuhaben und die Fähigkeiten auszubauen.

Nach dieser "ersten Ausbildung", sollte der Taucher vielleicht erst einmal 10 - 20 oder ein paar mehr Tauchgänge mit einem erfahrenen Tauchpartner durchführen, der die Sicherheit gewährleisten soll und der ggf. mit einer helfenden Hand bei Problemen zur Seite steht.

Denn wie beim Autofahren oder anderen Aktivitäten, ist die Möglichkeit, nicht optimal auf auftretende Probleme zu reagieren, am Anfang am größten.

Deshalb auch die oft diskutierte Frage, warum Anfänger nur 18 m tief tauchen dürfen.

Warum dürfen Anfänger nut bis 18 m tief tauchen ?

Einfache Antwort: in dieser Tiefe hat der gut ausgebildete Anfänger eine sehr große Chance, selbst bei einer, warum auch immer, aufgetretenen "Out Off Air" Situation (der Taucher hat alle Luft, nebst Reserve verbraucht) heile wieder die Oberfläche zu erreichen.

Auch sollte der Einsteiger darauf achten, seine eigenen Erfahrungen machen zu können.

Dazu gehören gute Erfahrungen und leider wohl auch die eine oder andere schlechte Erfahrung, wo es nicht ganz so optimal gelaufen ist.

An dieser Stelle möchte ich noch bemerken, dass es nie dumm ist Fehler zu machen, sondern es ist nur dumm, nicht aus seinen Fehlern gelernt zu haben und sie dann zu wiederholen.

Zu viele Ratschläge von erfahrenen "alten Hasen" können aber auch ganz schön nerven, daher immer so oft wie möglich den Tauchpartner wechseln, man kann von jedem etwas an Erfahrung mitnehmen und das sollte man auch gern machen.

Jetzt, da der Taucher die ersten Erfahrungen gesammelt hat, kann und sollte man sich bei einer Tauchschule oder Basis, nach einem Fortgeschrittenen Brevet dem z.B. "Advanced" oder "2 Stern" sprich DTSA (Deutsche Tauchsport Abzeichen) Silber, erkundigen.

Bei den meisten Organisationen sind 5-6 Tauchgänge unter Anleitung eines Tauchlehrers nötig, um den Advanced Kurs zu absolvieren. Dies geschieht oft an einem Wochenende.

Die zwei Stern Ausbildung des CMAS ist ein wenig aufwendiger und umfangreicher.
Zwei Tauchgänge werde in der Regel als Pflicht Tauchgänge durchgeführt, das ist in der Regel der "Tieftauchgang" und die "U/W Navigation" (U/W = Unterwasser).

Der "Tieftauchgang" wird oft belächelt, insbesondere wenn er in Gewässern wie das Rote Meer durchgeführt wird.

Gerne wird die Meinung vertreten dazu brauche ich keinen Kurs ist doch ganz einfach.
Weitgefehlt, dass im Einsteiger Kurs vermittelte Wissen ist eben auch für diese Tiefen (18m) ausgelegt.

Bei dem Tieftauchgang in Tiefen von mehr als 20m, wird der Instruktor dem Student die richtige Verfahrensweise lehren, wie man z. B. unter der Einhaltung der so wichtigen Auftauch-geschwindigkeiten gesund und sicher einen schönen Tauchgang ausführen kann.
Ohne sich durch vielleicht schlechte Erfahrungen das Tauchen zu verleiden.

Auch sehr interessant ist, zu wissen und zu verstehen, was eigentlich im eigenen Körper bei einem Tieftauchgang passiert. Als Außenstehender können viele gar nicht verstehen oder nachvollziehen, wie flexibel so ein Körper ist, ein wahres Wunderwerk der Natur, welches wirklich verdient hat, gut behandelt zu werden.

Man glaubt gar nicht, wie super entspannend es seien kann, wenn man den Umgang mit einem Kompass beherrscht und die natürlich Navigation mit einbeziehen kann. Die Möglichkeit, dass Boot von dem man gekommen ist, oder das Wrack, dass man vom Land angepeilt hat vielleicht sogar beim ersten Mal zu finden, ist ein großes Erlebnis, immer wieder.

Dazu gesellen sich dann, je nach Organisation weitere 3 - 4 weitere neue Erfahrungsbereiche, die man aus einem großen Angebot wählen kann.

Je nachdem was bei der entsprechenden Tauchschule/Tauchbasis möglich ist.

Folgend einige Möglichkeiten:

U/W-Naturalist Gibt einen Überblick über die Artenvielfalt der Fische. Wo sieht man was für Fische? Was sind Nahrungsspezialisten in der U/W Welt, was ist ihr Job z.B. im Riff?

"Tarieren in Perfektion" hier wird dem Taucher der Feinschliff gegeben und ein paar Tricks gezeigt, wie man sich wirklich schwerelos unter Wasser bewegt. Mit sehr spaßigen Übungen und Vorführungen des Tauchlehrers. Oft ein sehr wichtiger Kurs bevor man mit der U/W Fotografie beginnt.

"U/W Fotografie // U/W Video" Dieser Kurs wird oft in zwei Tauchgänge unterteilt. Hier lernt man, oft mit einer Leihkamera, viel über Lichtverhältnisse, mindest und maximale Entfernungen, Bildaufbau etc. in denen das Fotografieren und Filmen lohnt. Ein sehr interessantes und weitreichendes Thema.

"Wracktauchen" Abenteuer pur. Dieser Kurs beginnt oft mit einer ausführlichen Erkundung vor dem Tauchgang. Es ist super interessant, die Geschichte des Wracks, das man dann später betaucht herauszufinden. Bei diesem ersten Kurs, wird nicht in das Wrack eingetaucht (non penetration). Später gibt es Aufbaukurse, bei denen das Eintauchen möglich ist, dies fällt jedoch in den meisten Fällen in die Tec Sparte (Tec = Technisches Tauchen)

"NITROX" Hier kann man den ersten Kontakt mit Gasmischungen machen, die mit mehr als 21% Sauerstoff in den Tank kommen. Meisten mit NOOA I = 32 % Sauerstoff oder NOOA II = 36 % Sauerstoff. Der eigentliche Kurs, der zum generellen Tauchen mit NIRTOX berechtigt bleibt davon unberührt.

Es gibt noch viele weitere Kurse, die im Rahmen eines "Advanced-Kurses" angeboten werden. Wie gesagt, der Tauchlehrer deines Vertrauens, gibt gerne weitere Auskunft.

Der wichtigste Kurs in der Laufbahn eines Tauchers ist und bleibt der "Rescue Kurs".
In diesem Kurs bekommt der Taucher das Wissen und die Fertigkeit von einem Instruktor vermittelt, anderen zu helfen, die sich in Notsituationen befinden.

Der Aller wichtigste aller Punkte von allen bei der Rescue Ausbildung ist immer unter Eigensicherung!

Wir wollen beim Tauchen mit Sicherheit keine Helden oder Taucher, die sich und dadurch andere in Gefahr bringen, dass sie durch falschverstandenen Heldentum Risiken eingehen die mit dem Ausbildungsstand, die der Taucher hat einfach nicht zu lösen sind.

Also, Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Dieser alte Spruch birgt doch so viel Wahrheit in sich.

Der "Rescue Kurse" ist ein spannender Kurs mit vielen Übungen und Szenarien die jeden fesseln und mitreißen. Weiterhin ist es doch auch gut zu wissen, wie man helfen kann und so sich selbst und anderen ein sicheres Gefühl gibt, auch unter Stress und bei nicht so ganz einfachen Situationen das richtige tun zu können.

Als Quintessenz sollte jeder Taucher, der diesen Sport ernst nimmt, sich bis zum "Rescue Diver" weiterbilden, erst dann ist seine Ausbildung abgeschlossen und der Taucher für die allermeisten Eventualitäten gut gerüstet.

Ausbildungen daheim in Deutschland oder im Urlaub ?

Die Frage, ob man die Ausbildungen daheim in Deutschland oder im Urlaub machen sollte, ist auch nicht immer einfach und generell zu beantworten.

Hier sind ja viele Kombinationen möglich.
Bein Einsteigerkurs, der aus drei Teilen besteht nämlich Theorie, Pool und Freiwasser, kann man zum Beispiel, den lernintensiven bei vielen nicht so angenehme Theorie-Teil sowie die Poollektionen, in die Zeit verlegen in der man zuhause ist und dem Arbeitsalltag frönt.

Und die Freiwasser Prüfung mit seinen 4 -6 Tauchgängen in den Urlaub verlegen. Da fängt der Urlaub doch gleich mit dam an, dass man sich gewünscht hat.

Es hat sich oft gezeigt, dass man alles, was man nicht unbedingt im Urlaub machen möchte, wie in der Hütte bei tropischen Temperaturen lernen, wenn die andern sich im Meer vergnügen, ruhig zu Hause machen sollte.

Wenn man die Möglichkeit hat und die Temperaturen es zulassen, würde ich keine Prüfungen im Urlaub machen.

Da möchte ich mich lieber erholen und alles machen was mir hier nicht möglich ist z.B. schöne Tauchgänge in Korallengärten.

Oft ist es auch gut, wenn man Zuhause Kontakt zu Tauchern im nahen Umfeld sucht, so hat man die Möglichkeit, nach einem schönen Tauchurlaub die Ausrüstung in netter Gesellschaft im Süßwasser zu spülen.

Artikel v. Jörg-Olrik Graul Feb.2007

staatl. anerk. Tauchlehrer ITLA
Fachsportlehrer Tauchen
NAUI Course Direktor #31400
NAUI Representative Germany
CMAS Germany Course Dir. 802
PADI Instructor 913 057
DAN Instructor E- 1466
HSA Instructor