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17.10.2017 : 13:26 : +0200


Sonderbericht Tauchen - Marinetaucher - Mienentaucher

"Sandy Beach": Anti-Terror-Übung am Strand von Arne Björn Krüger

Neun Uhr morgens in Ludwigsburg bei Eckernförde. Eine Kreuzung von zwei Feldwegen.


Der trockene und staubige Weg führt zum Sandstrand hinunter. Ein
Soldat im Tarnanzug geht langsam auf das Wasser zu.

Er stellt er ein großes Fernglas auf ein Dreibein. Schiebt seinen Helm nach oben und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die schwere Splitterschutzweste scheuert am Rücken.

 

Er späht konzentriert durch das Glas - in Richtung Süden. Was er sieht ist eine rote Gummi-Rettungsinsel. Die Wellen der Ostsee werfen sie immer wieder sanft gegen den Strand. Eigentlich soll sie Menschenleben retten. Versehen mit einer Sprengfalle ist sie aber eine tödliche Gefahr für Helfer.


Gerd L. ist Minentaucher. Für den 35-Jährigen ist das die sogenannte "Station Rettungsinsel".


Diesmal nur eine Übung, bei der seine Fertigkeiten überprüft werden.

Der gebürtige Hesse ist Kampfmittelbeseitiger.

Mit vier weiteren Tauchern der Minentaucher-
kompanie aus Eckernförde bildet er eine "Einsatzgruppe" bei der Großübung "Sandy Beach".
 

Zusammen mit etwa 250 Kampfmittelbeseitigern aus vierzehn Nationen trainiert Gerd L. in dem schleswig-holsteinischen Badeort Einsätze zur Terrorabwehr im maritimen Bereich.

 

Die Soldaten spielen Szenarien durch, in denen sie Bomben und Terror-Sprengladungen im Wasser und an Land aufspüren und entschärfen müssen. Es geht realistisch zu. Die Sprengladungen sind echt, nur die Zünder fehlen.

Die Luft ist offensichtlich rein. Er vergewissert sich noch einmal. Einen "Gegner" oder mögliche Sprengfallen kann Gerd L. auf diese Entfernung nicht erkennen. Er muss jetzt nach vorne.

Muss die Insel genau untersuchen. Das verlangt sein Übungs Auftrag. Er geht alleine vor. Andere sollen nicht gefährdet werden. Mit seinem Team, das hinter einer Düne liegt, steht er in Funkkontakt. Sie unterstützen ihn mit allem was er braucht.

Den Strandbereich haben sie zuvor evakuiert und abgesperrt. Mit einem Gewehr G 36 sichert ein anderer Minentaucher Gerd L. bei seiner Arbeit. Mit roter Farbe aus einer Spraydose markiert dieser nun seinen Anmarschweg. Denn: Es besteht Minengefahr. Die Farbe weist ihm später den sicheren Weg zurück zu den Kameraden.

Gerd L. hat schon viele reale Einsätze hinter sich. "Scharfe Einsätze" wie sie im Marinejargon heißen. Der zweifache Vater ist als Kampfmittelbeseitiger in Bosnien unterwegs. Vier Jahre lang fährt er als "Tauchermeister" auf einem Minenjagdboot. Sein Weg führte ihn dabei ins Mittelmeer und an den Persischen Golf. Seit 1996 ist er Minentaucher.

Der gelernte Kommunikationselektroniker kommt zunächst als Unteroffizier zur Marine und arbeitet als Elektroniker auf einem Zerstörer in Kiel. Während eines Lehrgangs in Eckernförde sieht er Minentaucher bei ihrer Ausbildung.

Ihn faszinieren diese "Exoten" mit den markanten blauen Pudelmützen. Das Besondere an ihrer Tätigkeit reizt ihn: Tauchen, Kampfmittelbeseitigung und die gute Zusammenarbeit in einem kleinen Team.

Vorsichtig umrundet der Minentaucher die Insel. Das kalte Wasser umspült gurgelnd seine Waden. Er sucht nach Drähten oder anderen auffälligen "Anbauten". Findet nichts.

Nun muss er in die verschlossene Insel schauen. Dort könnte noch Gefahr lauern. Mit einem Skalpell schneidet er behutsam ein Loch in die Gummihaut. Nimmt einen kleinen runden Spiegel, steckt ihn hinein - sucht damit das Innere ab. Wieder nichts. Er sucht weiter. Nichts. Die Rettungsinsel ist "sauber".

Mit seiner Spraydose schreibt er für jeden erkennbar "SAFE" auf die Hülle. Sie ist jetzt sicher. Gerd L. hängt den Spiegel an seine Weste, packt das Messer ein, greift das Funkgerät und meldet: "Auftrag erfüllt, ich komme zurück".

Seine Kameraden warten bereits auf ihn. Klopfen ihm auf die Schulter und geben ihm eine Tasse Kaffee.

Langsam weicht die Anspannung. Pause. Dann geht es weiter - zur nächsten Übung.


Quelle: PM Presse- und Informationszentrum Marine an Divers Travel Guide