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24.6.2017 : 9:11 : +0200

Eröffnungspressebrunch boot 2010 Düsseldorf


Ausführungen von Robert Marx Präsident des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft -BVWW-, Köln /  Präsident der boot Düsseldorf 2010

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Bootsbranche befindet sich im Umbruch. Dies ist nicht nur eine Folge der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Situation, sondern vor allem auch eine Reaktion auf die strukturellen Probleme der Branche. In guten Jahren, bis etwa Mitte der 90er Jahre, ist es der Branche gelungen, rund 2,5 Prozent eines jeden Altersjahrganges zu Bootseignern zu machen. Dieser Wert liegt in den letzten Jahren lediglich noch bei 1 bis 1,5 Prozent. Die Folge: Die Anzahl der Menschen, die in den nächsten Jahren den Bootssport aus Altersgründen aufgeben müssen, ist bedeutend höher als die Anzahl derer, die neu in den Bootssport einsteigen. Hier sind dringend weitere Aktionen gefordert, die unternehmens- und verbandsübergreifend in Angriff genommen werden müssen. Erste Schritte folgen im Laufe des Jahres.

Ein zweiter Trend war in den letzten Jahren zu beobachten. Viele große Serienboothersteller - und hier besonders augenfällig im Segelbootbereich - setzten eindeutig auf immer größere Modelle und, man muss es wohl so drastisch sagen, ignorierten damit einen zumindest zahlenmäßig großen Bereich des Marktes.

Von den rund 500.000 Segel- und Motoryachten deutscher Eigner entfallen immerhin fast zwei Drittel auf den Bereich bis zu 9 m Bootslänge. Diese Boote wären auch die Einsteigermodelle für den bereits genannten fehlenden Nachwuchs im Bootssport.

Die Neueinsteiger bedienen sich bisher mehr oder weniger notgedrungen vorwiegend aus dem Gebrauchtbootbereich und kaufen bereits sehr alte und kleine Yachten, vorwiegend aus den 70er und 80er Jahren. Dieser große Bedarf an kleineren Booten kann kaum durch größere Yachten gedeckt werden. Bootsport im Binnenbereich, auf Flüssen, Kanälen und Seen erfordert reviertypische kleinere Yachten. Zudem überfordern die mit größeren Yachten verbundenen deutlich höheren Unterhaltungskosten den Eigner. Gleichwohl hat diese Zielgruppe aber natürlich ein Interesse an Innovationen und neuen, für sie passenden Bootsmodellen.

Die Herausforderung, einerseits durch innovative, kleinere Yachten Neueinsteiger in den Bootssport anzusprechen und andererseits arrivierten Bootseignern Alternativen in dem von ihnen bevorzugten kleineren Größenbereich anzubieten, nimmt die Bootsindustrie jetzt zunehmend an.

So werden auf der boot 2010 neben den etablierten Ausstellern von Segelkleinkreuzern wie beispielsweise Bénéteau, Jeanneau, Sailart und Delphia auch die brandneue Varianta von Dehler oder als Weltpremiere die 5,86 m lange RS Scandinavian Cruiser 20’ von Onsail zu sehen sein. Im Motorbootbereich beleben zum Beispiel neue Modelle von Linssen und Pedro die 8 m Klasse. Das Angebot an kleineren Segel- und Motoryachten wächst also beständig und wird für den Markt neue Impulse setzen.

Neue Akzente sehen Sie auf der boot 2010 im Bereich alternativer Antriebskonzepte. Hybridantriebe und photovoltaisch oder von Brennstoffzellen gespeiste Elektromotoren zählen nicht nur zum guten Ton, sondern sind die Technologien der Zukunft. Ihre Experimentierphase ist längst vorbei. Noch können sie zwar nicht an die Reichweiten von Booten mit Benzin- und Dieselmotoren herankommen, bieten aber spezifische Vorteile, die inzwischen auf ein deutliches Kundeninteresse stoßen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die von Seaways, Slovenien, entwickelte Greenline 33’. Die 10 m Yacht wird von einem 75 PS starken VW Dieselmotor angetrieben und kann auf Elektrobetrieb umgeschaltet werden. Die Batterien werden durch auf die Dachfläche montierte Photovoltaikzellen gespeist, die im Elektrobetrieb und bei Tageslicht immerhin 2,4 Knoten Geschwindigkeit dauerhaft ermöglichen. Höhere Geschwindigkeiten sind bei verringerter Reichweite natürlich möglich. Der Vorteil: Während der Woche werden die Batterien bei der Hafenliegezeit kostenlos geladen und am Wochenende fährt man elektrisch.

Premiere hat außerdem die Frauscher Riviera 600 auf der boot 2010. Das Elektroboot wird durch eine Brennstoffzelle in Fahrt gebracht, die wiederum durch schnell tauschbare 28 kg schwere Wasserstoffkartuschen gespeist wird. In Verbindung mit einem 4 kW Elektromotor wird bei 4 Knoten Marschfahrt eine Reichweite von 80 Seemeilen erreicht. Als einziges „Abgas“ entsteht pures Wasser. Kein Problem und eine echte Alternative also für Fahrtgebiete, auf denen Verbrennungsmotoren verboten sind.

Weltpremiere auf der diesjährigen boot feiert auch die 5,45 m lange batteriebetriebene Voltage von FELLERyachting. Der einem Trimaran ähnliche Rumpf ermöglicht eine Spitzengeschwindigkeit von 27 Knoten und zeigt, dass auch sportliche Fahrten mit alternativer Antriebstechnologie möglich sind.

Dies sind nur drei Beispiele aus der ständig steigenden Zahl von alternativ angetriebenen Booten und Yachten. Auch im Bereich größerer Yachten steigt das Interesse an alternativer Antriebstechnologie. Insbesondere dieselelektrische Antriebe, bei denen ein im optimalen Drehzahlbereich laufender Generator Strom erzeugt und gepuffert über ein Batteriepack einen Elektromotor antreibt, versprechen eine deutliche Kraftstoffeinsparung und noch wichtiger, einen erheblichen Komfortgewinn dank deutlich reduzierter Lärmentwicklung im Schiff.

Weitere Informationen zu den Themen „Kleine Boote und Yachten“ sowie „Alternative Antriebskonzepte“ können Sie aus den jeweiligen ausführlichen Presseinformationen entnehmen.

Düsseldorf, 22. Januar 2010